Soziale Wirkung sichtbar gemacht

Mikrofinanzprojekte im Jahr 2025

Mikrofinanz gewinnt als Anlageklasse zunehmend an Bedeutung

Mikrofinanz hat sich in den vergangenen Jahren zu einer ernstzunehmenden Alternative im institutionellen Portfolio entwickelt. In einem von Unsicherheiten geprägten Marktumfeld schätzen viele Investor:innen insbesondere die stabilen Erträge und die geringe Korrelation zu klassischen Kapitalmarktbewegungen bzw. Anlageklassen. Auch in herausfordernden Anlagejahren wie 2008 oder 2022 konnte Mikrofinanz einen positiven Renditebeitrag zum Portfolio liefern. Es kann aber auch zu Verlusten des eingesetzten Kapitals kommen. Gleichzeitig bieten Mikrofinanzinvestments einen direkten Zugang zur Realwirtschaft in Schwellen- und Entwicklungsländern und ermöglichen damit eine Kombination aus finanzieller Rendite und messbarer gesellschaftlicher Wirkung. Aus unserer Sicht ist genau diese Verbindung entscheidend: Kapital wird nicht nur investiert, sondern gezielt eingesetzt, um wirtschaftliche Entwicklung zu ermöglichen.

Langjährige Erfahrung und Spezialisierung

Erste Asset Management beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Mikrofinanz als Anlageklasse. Einen wesentlichen Impuls erhielt dieser Bereich durch die Integration von Impact Asset Management im Jahr 2025, einem auf Mikrofinanz und Impact Investing spezialisierten Anbieter. Dadurch wurde die bestehende Kapitalmarktexpertise um fundiertes Know-how in der Auswahl, Analyse und Begleitung von Mikrofinanzinstituten erweitert.

Heute basiert der Investmentprozess auf einer engen Verzahnung aus finanzieller Analyse, ESG-Prüfung und einer systematischen Bewertung der sozialen Wirkung. Diese Kombination ist eine zentrale Voraussetzung dafür, die angestrebte „doppelte Rendite“ – finanziell und gesellschaftlich – tatsächlich zu erreichen.

Der Social Impact Report als Messlatte

Ein wesentliches Instrument zur Messung und Dokumentation dieser Wirkung ist der jährlich erscheinende Social Impact Report. Er zeigt auf, in welchem Ausmaß die bereitgestellten Mittel tatsächlich bei den Endkund:innen ankommen und welche Veränderungen sie dort bewirken. Die aktuellen Zahlen unterstreichen die Reichweite dieser Aktivitäten:

  • Seit Start wurden 2,7 Milliarden US-Dollar investiert
  • Es wurden 352 Mikrofinanzinstitute in 69 Ländern finanziert
  • Im Jahr 2025 war der Fonds in 114 Institutionen in 34 Ländern investiert
  • Insgesamt wurden im Berichtsjahr rund 228.000 Endkreditnehmer:innen erreicht

Ein wesentlicher Teil dieser Mittel fließt bewusst in Märkte, in denen der Zugang zu Finanzdienstleistungen eingeschränkt ist und Kapital einen besonders hohen volkswirtschaftlichen Nutzen entfalten kann.

Finanzielle Inklusion: Unterstützung für Frauen

Der zentrale Ansatz von Mikrofinanz besteht darin, wirtschaftlich aktiven Menschen Zugang zu Kapital zu verschaffen, die vom klassischen Bankensystem weitgehend ausgeschlossen sind. Dabei handelt es sich häufig um Kleinstunternehmer:innen, kleine landwirtschaftliche Betriebe oder lokale Dienstleister. Auffällig ist die Struktur der erreichten Zielgruppen: Rund 78 % der Kreditnehmer:innen sind Frauen, ein erheblicher Anteil der Kredite geht zudem in ländliche Regionen.

Diese Mittel ermöglichen es vielen Menschen, ein eigenes Einkommen zu generieren, Risiken besser abzufedern und ihre wirtschaftliche Situation nachhaltig zu stabilisieren. Mikrofinanz wirkt damit oft als Ausgangspunkt für eine breitere wirtschaftliche Entwicklung auf lokaler Ebene.

Wirkung wird konkret – Einblick in ausgewählte Projekte

Die Wirkung von Mikrofinanz lässt sich besonders gut anhand konkreter Beispiele nachvollziehen, wie sie im Social Impact Report 2025 dokumentiert sind:

Unternehmerisches Wachstum aus eigener Kraft – Beispiel Usbekistan

Ein eindrucksvolles Beispiel ist die Entwicklung der Unternehmerin Nilufar in Usbekistan. Was ursprünglich als kleiner Vertrieb von Leinenprodukten aus dem eigenen Zuhause begann, hat sich im Laufe der Jahre zu einem etablierten Unternehmen entwickelt. Mit Unterstützung durch Mikrofinanz konnte sie ihr Geschäft systematisch ausbauen, Filialen eröffnen und ihre Produktions- und Vertriebsstrukturen professionalisieren.

Heute beschäftigt ihr Unternehmen 19 Mitarbeiter:innen, davon 16 Frauen. Das Projekt zeigt sehr klar, wie aus einem Kleinstunternehmen durch kontinuierlichen Zugang zu Finanzierung stabile Arbeitsplätze entstehen und gleichzeitig die wirtschaftliche Unabhängigkeit von Frauen gestärkt wird.

Verknüpfung von Finanzierung und Nachhaltigkeit – Beispiel Indien

Ein weiteres Beispiel ist die Hindon Mercantile Limited in Indien. Das Unternehmen verfolgt ein Geschäftsmodell, das klassische Mikrofinanz mit technologischen und ökologischen Aspekten verbindet. Es stellt gezielt Finanzierungen für unterversorgte Kundengruppen bereit und fördert gleichzeitig Investitionen in nachhaltige Technologien.

Besonders hervorzuheben ist die Finanzierung von mehr als 80.000 Elektrofahrzeugen sowie Investitionen in erneuerbare Energien und Ladeinfrastruktur. Damit verbindet das Unternehmen wirtschaftliche Entwicklung mit einem unmittelbaren Beitrag zur Reduktion von Emissionen und zur Verbesserung des Zugangs zu Energie. 

Finanzielle Selbstbestimmung von Frauen – Beispiel Pakistan

Die Kashf Foundation in Pakistan steht exemplarisch für die gezielte Förderung von Frauen durch Mikrofinanz. Mit einem Netzwerk von über 400 Filialen erreicht die Institution mehr als 800.000 Kund:innen, von denen rund 99 % Frauen sind. Neben klassischen Finanzprodukten bietet Kashf auch Bildungsprogramme und Initiativen zur wirtschaftlichen Selbstständigkeit an. Ein innovatives Element ist die Nutzung von scharia-konformen Finanzierungsinstrumenten wie Social Sukuk, mit denen zusätzliche Kapitalquellen erschlossen werden konnten.

Seit ihrer Gründung wurden Kredite in Höhe von mehr als einer Milliarde US-Dollar an über acht Millionen Kreditnehmerinnen vergeben. Der gesellschaftliche Effekt geht dabei weit über die reine Finanzierung hinaus, da finanzielle Unabhängigkeit häufig auch zu Verbesserungen in Bildung und Gesundheit innerhalb der Familien führt. 

Aufbau lokaler Wertschöpfung – Beispiel Peru

Auch die Entwicklung eines Kleinunternehmers in Peru verdeutlicht die langfristige Wirkung. Durch mehrere aufeinander aufbauende Kredite konnte er sein Geschäftsmodell schrittweise erweitern und schließlich in die Produktion wechseln.

Aus einem einfachen Einstieg in die Selbstständigkeit entwickelte sich so ein kleiner Industriebetrieb, der heute Arbeitsplätze schafft und lokale Nachfrage bedient. Dieses Beispiel zeigt, wie Mikrofinanz den Übergang vom informellen Sektor in strukturiertere wirtschaftliche Aktivitäten ermöglichen kann.

Beschäftigungseffekte und wirtschaftliche Wirkung

Diese Beispiele spiegeln sich auch in den aggregierten Zahlen wider: Im Jahr 2025 wurden durch die finanzierten Aktivitäten mehr als 34.000 Arbeitsplätze in kleinen und mittleren Unternehmen geschaffen sowie zahlreiche weitere Beschäftigungsmöglichkeiten in Kleinstbetrieben unterstützt. Damit leisten Mikrofinanzinvestments einen direkten Beitrag zur wirtschaftlichen Dynamik in den jeweiligen Regionen und fördern den Aufbau stabiler Einkommensquellen.

Beitrag zu globalen Nachhaltigkeitszielen

Die Investitionen leisten insbesondere Beiträge zu den UN-Nachhaltigkeitszielen:

  • Armutsreduktion (SDG 1)
  • Geschlechtergleichstellung (SDG 5)
  • Wirtschaftswachstum und Beschäftigung (SDG 8)

Darüber hinaus entstehen zusätzliche Effekte in Bereichen wie Bildung, Energie oder Infrastruktur, die sich aus den finanzierten Projekten ergeben.

Anlagemöglichkeiten für institutionelle Investor:innen

Die I-AM Vision Microfinance Strategie steht institutionellen Anleger:innen in zwei sich ergänzenden Fonds zur Verfügung:

  • Der I-AM Vision Microfinance Fonds investiert breit diversifiziert in Mikrofinanzinstitute in Schwellen- und Entwicklungsländern. Der Fokus liegt auf der Vergabe von Fremdkapital an sorgfältig ausgewählte Institute, die ihrerseits Kleinstunternehmer:innen und kleine Betriebe finanzieren. Ziel ist es, laufende Erträge bei gleichzeitig hoher Stabilität zu generieren und dabei eine breite regionale Diversifikation sicherzustellen.
  • Der I-AM Vision Microfinance Local Currency Fonds ergänzt diesen Ansatz, indem er stärker in lokale Währungen investiert. Dadurch kann er zusätzlichen Zugang zu lokalen Märkten schaffen und die Wirkung insbesondere in ländlichen Regionen vertiefen. Gleichzeitig eröffnet dieser Ansatz zusätzliche Renditequellen, geht aber auch mit spezifischen Währungsrisiken einher.

Beide Fonds sind als SFDR Artikel-9-Produkte klassifiziert und verfolgen einen konsequent wirkungsorientierten Investmentansatz, der finanzielle und gesellschaftliche Ziele miteinander verbindet. Bitte beachten Sie, dass eine Veranlagung in die genannten Fonds neben Chancen auch Risiken birgt.

Fazit

Mikrofinanz hat sich als Anlageklasse etabliert, die weit über eine rein finanzielle Perspektive hinausgeht. Die Kombination aus stabilen Erträgen, niedriger Korrelation zu traditionellen Anlageklassen und einer klar nachvollziehbaren Wirkung macht sie zu einem relevanten Baustein in der strategischen Asset Allocation.

Der Social Impact Report 2025 zeigt dabei nicht nur aggregierte Kennzahlen, sondern vor allem, wie Kapital konkret eingesetzt wird – und welche Veränderungen es vor Ort bewirken kann.

Erläuterungen zu Fachausdrücken finden Sie in unserem Fonds-ABC.

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