
Ausblick globale Konjunktur und Finanzmärkte
Geopolitische Entspannung trifft auf robustes Wachstum
Das globale Konjunkturumfeld bleibt zur Jahresmitte 2026 grundsätzlich robust. Das Wachstum bewegt sich weiterhin nahe dem Potenzial und wird durch stabile Konsumnachfrage, zunehmende Investitionen sowie strukturelle Impulse durch den KI‑Boom getragen.
Eine wesentliche Veränderung ergibt sich aus der jüngsten Entspannung im Iran‑Konflikt: Die Einigung zwischen den USA und dem Iran und die perspektivische Wiederöffnung der Straße von Hormus reduzieren das Risiko eines anhaltenden Energiepreisschocks erheblich. Die zuvor eingepreiste geopolitische Risikoprämie ist bereits deutlich zurückgegangen, was sich in sinkenden Ölpreisen und einer positiven Marktreaktion widerspiegelt.
Damit bestätigt sich unser Basisszenario eines „inflationären Wachstums“ – nun mit moderateren Extremrisiken und stabilerem Umfeld für Finanzmärkte.
Inflation und Geldpolitik – Druck lässt nach, bleibt aber erhöht
Die Inflation bleibt kurzfristig über dem Zielwert, getrieben durch vorangegangene Energiepreisanstiege und strukturelle Faktoren wie den KI‑bedingten Investitionszyklus.
Mit der Entspannung auf den Energiemärkten nimmt der Inflationsdruck schrittweise ab. Dies reduziert das Risiko eines nachhaltigen Inflationsschocks und gibt den Zentralbanken mehr Spielraum. Wir erwarten weiterhin eine leicht restriktive Geldpolitik, jedoch ohne aggressive Zinsschritte.
Aktien – neutral mit selektiven Chancen
Die Entspannung im Nahen Osten wirkt klar unterstützend für Risikoanlagen. Die Reduktion geopolitischer Tail‑Risiken, fallende Energiepreise und stabilere Inflationserwartungen verbessern das fundamentale Umfeld für Aktien. Beachten Sie aber auch die Risiken beim Investieren in Wertpapieren.
Wir heben die Aktiengewichtung von Untergewicht auf neutral da:
- Bewertungen weiterhin ambitioniert sind
- Gewinnerwartungen hoch bleiben
- ein Teil der positiven Entwicklung bereits eingepreist ist
Innerhalb der Aktienmärkte bestätigen sich unsere strategischen Präferenzen:
- Fokus auf strukturelle Gewinner (insbesondere US‑Technologie / KI)
- Value- und Dividendenstrategien als Stabilitätsanker
- Europa und Small Caps mit Aufholpotenzial
- Lateinamerika und Japan als attraktive Value‑Märkte
Zusätzlicher Rückenwind ergibt sich nun aus sinkenden Inputkosten (Energie), was die Margenentwicklung in zyklischen Sektoren unterstützen dürfte.
Anleihen – Carry bleibt attraktiv, Duration leicht kurz
Im Rentensegment reduziert die Entspannung am Energiemarkt das Risiko eines abrupten Renditeanstiegs. Dennoch bleiben wir vorsichtig positioniert:
- Duration: leicht untergewichtet – da Inflation weiterhin über dem Ziel liegt
- Staatsanleihen: untergewichtet – trotz Entspannung begrenztes Renditepotenzial
- EUR-Unternehmensanleihen: übergewichtet – attraktive Spreads
- EM-Lokalwährungsanleihen: übergewichtet – partizipieren zusätzlich an stabileren globalen Rahmenbedingungen
Gesamtheitlich bevorzugen wir eine kürzere Duration-Positionierung. Auf der Kurve präferieren wir momentan moderate Positionen, die an einer sich weitenden Zinsspanne partizipieren. Insgesamt bleibt das Umfeld für Carry-Strategien weiterhin unterstützend – nun mit geringerer Volatilität.
Rohstoffe – Energiepreisrisiko deutlich gesunken
Die Rohstoffmärkte reagieren besonders stark auf die geopolitische Entspannung. Zuvor war es mit der Schließung der Straße von Hormus und den Angriffen auf die Energie-Infrastruktur in der Region zu einem sprunghaften Anstieg der Öl- und Gaspreise gekommen.
- Energie: neutral (mit Abwärtsbias) – Die Wiederöffnung der Straße von Hormus führt zu einer Ausweitung des Angebots und einem deutlichen Rückgang der Risikoprämien. Kurzfristig bleiben jedoch technische Faktoren (Transport, Wiederaufnahme der Produktion) relevant.
- Industriemetalle: neutral – Der KI‑Boom und steigende Industrienachfrage bleiben zentrale Treiber.
- Gold: neutral – Leichter Gegenwind durch sinkende geopolitische Risiken, aber weiterhin unterstützt durch strukturelle Faktoren (Verschuldung, langfristige Inflation).
Währungen – stabileres Umfeld, aber strukturelle Faktoren dominieren
Die geopolitische Entspannung reduziert den Safe‑Haven‑Druck auf den US‑Dollar leicht, ohne jedoch den strukturellen Trend grundlegend zu verändern im Hinblick auf den politischen Druck auf die US-Notenbank für Leitzinssenkungen sowie Vertrauensverluste
- USD vs. EUR: neutral
- Positiv: starkes US‑Wachstum durch KI Boom
- Negativ: gestiegenes US-Budgetdefizit und Zoll-Rückzahlungsforderungen
- GBP vs. EUR: neutral
Abschwächung am Arbeitsmarkt und stagnierende Wirtschaft
- JPY und EUR: neutral – Leitzinsanhebung der japanischen Notenbank versus negative reale Zinsen
Fazit unserer Anlagestrategie
- Breite Diversifikation
- Fokus auf Qualität
- ausgewogene Risikopositionierung
- selektive Chancen in Aktien (Value und Dividenden) und Anleihen (Carry, insbesondere EUR Credit und EM‑Lokalwährungen)

Quelle: Erste Asset Management, Juni 2026
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